Exkurs: Die Frauenquoten-Falle

Mehr Frauen in Führungspositionen durch Frauenquoten?

Auch wenn die Verbindung bei näherer Betrachtung nicht wirklich eng ist, steht das hier diskutierte Problem des Gehaltsunterschiedes zwischen Frauen und Männern für viele Menschen oft im Zusammenhang mit einem weiteren bekannten Phänomen, nämlich der deutlich niedrigeren Anzahl von Frauen in betrieblichen Führungspositionen im Allgemeinen und im Spitzenmanagement im Besonderen. Um den Rahmen dieses Beitrags nicht zu sprengen, möchte ich auf die Gründe dafür hier nicht weiter eingehen und auch nicht darauf, wie konstruktive Lösungen aussehen könnten, obwohl ich dazu sehr wohl etwas beizutragen hätte. Ein wichtiger Kommentar zu den in diesem Zusammenhang immer wieder erwogenen politischen Lösungen liegt mir aber besonders auf der Seele, da ich ihn gesellschaftlich für besonders gefährlich und für die Situation der Frauen in der Berufswelt für ausgesprochen kontraproduktiv halte.

Konkret geht es mir dabei um jegliche Quotenregelungen, die zum Gegenstand haben, die vorhandenen Unterschiede in der letzten Konsequenz durch den Zwang zur Einstellung von Frauen zu beseitigen. Die von der Politik diskutierten Varianten zielen zwar fast alle nur auf größere Unternehmen und dort auf das gehobene Management ab, würden sie aber so umgesetzt, hätten sie mit Sicherheit fatale Auswirkungen auf die Wahrnehmung des Wertes von Frauen in der Berufswelt ganz allgemein.

> Den Preis für die Quote bezahlen die Frauen

Liebe Damen, tun Sie sich das bitte nicht an, denn dann haben Sie nämlich ein echtes Problem, das kaum zu lösen wäre. Ist eine Quotenregelung erst einmal eingeführt, stehen Frauen in der deutschen Arbeitswelt ab sofort unter dem Generalverdacht, ihre beruflichen Positionen nicht aufgrund ihrer Kompetenz bekommen zu haben, sondern wegen der „Quote“. Dass die gesetzlichen Regelungen für den konkreten Fall vielleicht gar keine Rolle spielen, wird dann schnell übersehen. Von diesem Vorwurf können Sie sich als Frau kaum noch befreien und ironischerweise wird er von Männern und Frauen gleichermaßen geäußert – oder fast noch schlimmer – unausgesprochen gedacht werden. Ist die Quote erst einmal da, wie wollen Sie als Frau dann den Nachweis erbringen, dass Sie Ihre Position dennoch wegen Ihrer Kompetenz bekommen haben? Das ist dann praktisch unmöglich und damit hätten wir in Deutschland genau die Zweiklassengesellschaft bei Männern und Frauen geschaffen, der wir doch eigentlich entgegenwirken wollten.

> Affirmative Action – Ein warnendes Beispiel aus Amerika

Wem es schwerfällt, meiner Warnung zu glauben, der schaue sich doch einmal ein passendes historisches Beispiel dazu an. Während meiner Zeit in den USA kam ich immer wieder mit dem Begriff der sogenannten „Affirmative Action“ in Berührung, deren Maßnahmenpakete die Beseitigung von Diskriminierung zum Ziel haben. In den USA stößt man darauf vor allem im Zusammenhang mit der angestrebten Überwindung der Rassenschranken, deren Probleme hinlänglich bekannt sein dürften.

Dieser Ansatz setzt in erster Linie auf institutionelle Maßnahmen, die im Kern auf der Einführung und Durchsetzung von Quotenregelungen bestehen. Doch die Erfahrungen damit waren am Ende wenig zufriedenstellend. Zwar konnten im Einzelfall durchaus positive Resultate erzielt werden, aber es konnte damit nicht nur das Gesamtproblem nicht maßgeblich gelöst werden, sondern die positiven Effekte forderten auch einen hohen Preis. Waren Schwarze an einer Hochschule vorher der Beleg, dass es zumindest prinzipiell jeder unabhängig von der Hautfarbe schaffen konnte, standen nach der Einführung einer Quote zugunsten eines bestimmten Mindestanteils an schwarzen Studenten alle schwarzen Studenten plötzlich unter dem Verdacht, in erster Linie wegen der Quote und nicht wegen ihrer nachgewiesenen Leistungen Aufnahme gefunden zu haben. Genau damit wurden sie zu Studenten zweiter Klasse, auch wenn die allermeisten von ihnen auch ohne Quote aufgenommen worden wären. In einer solchen Situation ist es kaum möglich, diesen Makel wieder loszuwerden, zumal er meist nicht offen diskutiert, sondern nur im Verborgenen präsent ist. Würden Sie gerne in der Rolle eines solchen Studenten sein? Würden Sie davon ausgehen, dass Ihrer beruflichen Situation damit für die Zukunft gedient wäre? Sicherlich nicht. Und so ist dieses Konzept auch gerade vonseiten schwarzer US-Bürger immer wieder scharf kritisiert worden.

> Equal Opportunities – Das prinzipiell bessere Konzept

Dem steht als Alternative der Ansatz von „Equal Opportunities“ entgegen, der sich allerdings nicht gleichermaßen gut zusammenfassen lässt. Sein Kern jedoch setzt auf die Schaffung von Gleichbehandlung bei ausdrücklicher Betonung, dass diese eben nur unabhängig von Aspekten wie Rasse, Geschlecht usw. realisiert werden darf und muss. Ein Beispiel dafür sind Konzepte, bei denen man Finanzierungsmöglichkeiten für Studenten bereitstellt, bei denen ein Studium trotz ausgezeichneter fachlicher Leistungen an fehlenden finanziellen Mitteln scheitern würde.

Wichtige Schlussfolgerung für unser Thema

Noch anders und kürzer ausgedrückt: Man verbessert die Situation von zu Unrecht Benachteiligten nicht dadurch, dass man die Position der Starken schwächt. Man verbessert sie nur, indem man den Schwachen hilft, stärker zu werden. Die erste Variante führt zu einer Gesellschaft mit vielen Schwachen, die zweite zu einer mit vielen Starken, die zudem noch denjenigen Mut macht, für die es noch nicht so gut läuft.

Mit meiner Arbeit und auch diesem Beitrag möchte ich genau dies erreichen: Ich möchte Frauen mit schlechteren Gehältern Mut machen, sich nicht mehr als Opfer zu sehen und nach der Politik als scheinbar einzigen Ausweg zu rufen, sondern ihre finanzielle berufliche Situation lieber selber in die Hand zu nehmen. Wer diesen Schritt im Inneren gegangen ist, für den ist der Rest nur noch ein bisschen Arbeit. Viele bereits jetzt finanziell erfolgreiche Frauen sind übrigens ein guter Beleg dafür.

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