Warum Sie KEIN Deckblatt verwenden sollten

Relativierende Worte zu Beginn

Meine persönliche Empfehlung in Sachen Deckblatt als erste Seite Ihres Lebenslaufes lautet: lassen Sie es am besten weg! Sie verschenken damit nur wertvollen Werbeplatz. Bevor ich dies näher erläutere, möchte ich diese Botschaft aber etwas relativieren. Es könnte im Einzelfall möglich sein, dass ein Deckblatt ausdrücklich gefordert oder gewünscht wird bzw. im konkreten Kontext einfach dazugehört. In solchen Fällen sollten Sie dann natürlich auch ein Deckblatt verwenden und dies entsprechend der Vorgaben gestalten. Aber diese Ausnahme gilt dann wirklich nur für die Fälle, bei denen Sie über tatsächliche Informationen verfügen, dass eine solche Anforderung existiert und wie diese ganz genau aussieht. Situationen, in denen viele Bewerber ein Deckblatt lediglich deshalb benutzen, weil sie es bei anderen so gesehen haben, gehören ausdrücklich nicht zu diesen Ausnahmen.

Diesen wertvollen Werbeplatz besser nutzen

Und damit zur Begründung meiner Empfehlung. Selbstverständlich schadet es nicht direkt, wenn Sie ein Deckblatt verwenden. Aber Sie verschwenden damit den wertvollsten Platz in Ihrem Lebenslauf, der Ihnen für Ihre Werbung zur Verfügung steht: die erste Seite. Ja, ich habe bewusst von Werbung gesprochen. Denn Bewerben heißt immer, für sich selbst zu werben und dabei gelten dieselben Grundsätze wie für Print-Werbung allgemein (also Werbung für Produkte und Dienstleistungen auf Druckerzeugnissen aller Art).

Schauen Sie sich die Aufmachung der erfolgreichen Beispiele dabei doch einmal näher an. Und wie finden Sie heraus, welche Beispiele von gedruckter Werbung als erfolgreich gelten können? Ganz einfach, es sind all die Sachen, die kürzlich Ihr Interesse mühelos (für Sie) gewinnen konnten. Das kann ein Katalog eines Versandhauses genauso gut sein, wie eine Produktempfehlung Ihres Autohauses oder eine Anzeige in einer Zeitschrift. Egal, was Sie in Ihrem Fall für sich als ein erfolgreiches Beispiel wählen werden, es wird immer durch dieselben grundsätzlichen psychologischen Prinzipien geprägt sein, an denen Sie sich auch für Ihre Bewerbung orientieren sollten.

Zwei Erkenntnisse aus der Werbepsychologie

Werbepsychologie ist ein weites Feld, an dieser Stelle benötigen wir aber nur zwei wichtige Erkenntnisse daraus. Erstens: die Aufmachung und Platzierung Ihrer Botschaft sollten so gewählt sein, dass diese dem Adressaten (im Marketing-Jargon dem Vertreter Ihrer „Zielgruppe“) möglichst mühelos auffällt. Stellen Sie sich vor, Werbung von Coca-Cola wäre immer auf der Rückseite der großen Werbeflächen angebracht und auf der Vorderseite würde nur ganz neutral stehen, dass sich hinten eine Werbung für ein allseits bekanntes Getränk befände. Hätten Sie in einem solchen Fall Lust und Zeit, um die Tafel herumzugehen und nachzuschauen? Die meisten Menschen würde das selbstverständlich nicht machen und das ist der Grund, weshalb Coca-Cola eine Menge Geld für Werbung an Orten ausgibt, wo sie von möglichst vielen Menschen ganz ohne deren Zutun wahrgenommen wird.

Die zweite Erkenntnis ist, dass gute Werbung normalerweise neugierig macht, mehr über das Angebot dahinter zu erfahren. In den allermeisten Fällen reicht die erste Präsentation einer Werbebotschaft nicht aus, um jemanden gleich zum Kauf zu bewegen. Fast immer sind vor der Kaufentscheidung weitere Schritte aufseiten der potentiellen Kunden notwendig. Dazu werden diese erst bereit sein, wenn ihr Interesse entsprechend geweckt wurde.

Diese beiden Aspekte sind auch für die Konzeption von optimalen Bewerbungsunterlagen relevant. Mit einem Deckblatt machen Sie dem Adressaten nur unnötig Mühe, an die wirklich interessanten Informationen in Ihrem Lebenslauf heranzukommen. Und deshalb sollten die wichtigsten Argumente zu Ihrem Werdegang auch möglichst immer auf der ersten Seite stehen. Ihre Kontaktinformationen und ein professionelles(!) Foto bekommen Sie dort trotzdem mühelos unter. Dem erwähnten zweiten Aspekt tragen Sie Rechnung, indem Sie auf dieser ersten Seite ganz oben ein aussagekräftiges Kurzprofil über sich in Verbindung mit einer aktuellen und konkreten Berufsbezeichnung als Überschrift verfassen. Anschließend machen Sie normalerweise mit der Darstellung Ihrer aktuellen bzw. letzten beruflichen Position in einer Form weiter, die den Leser so richtig neugierig macht, Sie persönlich kennenzulernen.

Positiver Nebeneffekt

Und zuletzt möchte ich noch einen möglichen positiven Nebeneffekt erwähnen, den Sie mit dem Weglassen eines Deckblattes erzielen können. Wenn Sie die erste Seite Ihres Lebenslaufes mit schlagkräftigen Argumenten, dass Sie die beste Wahl sein werden, nicht verbergen, ist die Chance relativ hoch, dass Ihr Lebenslauf diese Botschaft öfter an den Adressaten sendet, als Sie sich auf den ersten Blick vorstellen können. Das hat etwas mit dem praktischen Umgang mit Bewerbungsunterlagen auf der Seite des einstellenden Unternehmens zu tun. Denn in der Regel hat man dort die Unterlagen bis zum Bewerbungsgespräch und auch noch danach mehrfach in der Hand. Wenn die Bewerbungen eingehen, wenn man sie ausdruckt, wenn man sie mit Kollegen bespricht, wenn man sie sich für die Vorstellungsgespräche zurechtlegt usw.

Je überzeugender Ihr Profil bereits auf der ersten Seite Ihres Lebenslaufes ist, desto höher ist die Chance, dass diese erste Seite Ihre Botschaft auch in Situationen sendet, in denen sich der Adressat offiziell gar nicht damit beschäftigt. Ganz besonders gilt dies, wenn Ihr Nachname mit einem Buchstaben weit vorn im Alphabet beginnt oder Sie der Bewerber sind, mit dem das allererste Vorstellungsgespräch geführt werden soll. Denn in diesen Fällen ist die Chance hoch, dass Ihr Lebenslauf auf dem Stapel ganz oben liegt und der Blick des einstellenden Leiters desöfteren zufällig darüber hinwegstreicht.

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