Gewinnen Sie Interesse durch bisherige Erfolge

Der größte Fehler beim Lebenslauf-Schreiben

Nun, sehen wir davon ab, dass es keine gute Idee ist, im Lebenslauf zu lügen, dann ist der größte mögliche Fehler, in ihm nur zu erwähnen, was Sie in Ihren früheren Arbeitsverhältnissen GEMACHT haben. Richtig ist es vielmehr zu erklären, wie Sie dort zum Unternehmens-ERFOLG beigetragen haben. In anderen Worten: wenn die Beschreibung Ihrer bisherigen Arbeitsverhältnisse und Ihres Bildungweges vor allem in der Auflistung Ihrer Aufgaben und Tätigkeiten besteht, dann ist das keine gute Idee! Denn Ihrem zukünftigen Arbeitgeber hilft es am Ende nichts, wenn Sie nur fleißig sind. Er ist vor allem daran interessiert, dass durch Ihre Arbeit etwas Nützliches für ihn herauskommt. Und das ist nicht dasselbe!

Zählt Ihre Leistung also am Ende gar nichts? Ganz genau, Arbeitgeber haben nur etwas von der nutzbaren Wirkung Ihrer Arbeit. Man könnte deshalb auch sagen: schreiben Sie weniger darüber, was Sie schon alles Tolles für andere geleistet haben, und lieber, welche positive Wirkung Sie für Ihre Umwelt damit erzielen konnten. Das ist später auch bei Ihrer Gehaltsverhandlung sehr wichtig.

Beispiele für diesen Unterschied

Schauen wir uns gleich Beispiele für beide Herangehensweisen an. Keine so gute Idee wäre damit Folgendes:

01/2005 – 07/2008 Verkäufer im Autohaus Mühlbach, Köln
Tätigkeiten

  • Kundengespräche mit Schwerpunkt Reifenvertrieb
  • regelmäßige Fahrzeug-Überführungen von und zur Filiale Dortmund
  • Brandschutz-Beauftragter des Unternehmens
Weiterbildungen

  • Hersteller-Vertriebsschulungen
  • Weiterbildungen für Brandschutz-Beauftragte (1x jährlich)

Hier werden leider nur Aufgaben bzw. Tätigkeiten beschrieben. Was sie dem Unternehmen tatsächlich gebracht haben, bleibt vollkommen unklar. Klingt das für Sie trotzdem ganz normal? Wenn man mit einer solchen Darstellung dennoch hin und wieder ein Bewerbungsgespräch bekommt, liegt es in Deutschland daran, dass alle anderen eingesandten Lebensläufe auch nicht spannender waren (und irgendjemanden mussten sie ja dann einladen). Möchten Sie übrigens Ihre Reifen von dieser Person kaufen?

Nun gut, probieren wir es also noch einmal. Eine viel bessere Variante wäre:

01/2005 – 07/2008 Reifen-Spezialist im Vertrieb des Autohauses Mühlbach, Köln
Aufgaben und Tätigkeiten

  • Verkauf von Premium-Reifen an Geschäftskunden im Einzugsgebiet von ca. 100 km
  • Fahrzeug-Überführungen von und zur Filiale Dortmund bei Bedarf auch samstags und sonntags
  • Brandschutz-Beauftragter für beide Standorte
  • einziger Ersthelfer in der Filiale Köln
Weiterbildungen

  • Herstellerschulungen mit Vertriebs-Zertifizierung gültig bis 12/2009
  • Weiterbildungen für Brandschutz-Beauftragte (1x jährlich)
  • Ersthelferausbildung (2006, privat finanziert)
Erreichte Ergebnisse

  • überdurchschnittliche Vertriebsquote 2005
  • zweitbester Verkäufer 2006 und 2007
  • maßgeblich beteiligt an der Senkung der Kundenreklamationen um 43% im Zeitraum 07/2005 – 06/2008

Na, das klingt doch schon ganz anders, oder?

Herr Klemens F. aus Bremen schrieb mir am 6. Oktober:

»Der Tipp, die erreichten Erfolge aufzulisten, wirkt auf mich sehr vielversprechend. Nach insgesamt fast 50 erfolglosen Bewerbungen seit meinem Masterabschluss ärgere ich mich etwas, nicht selbst auf diese Idee gekommen zu sein.«

Weitere Erläuterungen zum richtigen Prinzip

Auf einzelne Aspekte gehe ich später noch im Detail ein. An dieser Stelle ist erst einmal nur der prinzipielle Unterschied wichtig. Es ist übrigens schon richtig, auch die jeweiligen Tätigkeiten zu beschreiben. Aber der Fokus muss immer auf den Erfolgen bleiben. Im zweiten Beispiel sind diese übrigens nicht nur unter dem Punkt „Erreichte Ergebnisse“ zu finden, sondern einige habe ich auch schon in den beiden Abschnitten davor (Aufgaben und Weiterbildungen) versteckt.

Der Inhalt ist selbstverständlich erfunden, dennoch widersprechen sich beide Beschreibungen technisch gesehen nicht. Bei dem erdachten Bewerber handelt es sich keinesfalls um einen absoluten Überflieger sondern um einen normalen, engagierten Mitarbeiter. Als Argument überzeugt im Lebenslauf also durchaus auch ein zweiter oder dritter Platz bei den Vertriebserfolgen, denn er weist immer noch den Wert für den Arbeitgeber aus. Und sollte es insgesamt nur drei Vertriebsmitarbeiter mit Vollzeitstelle gegeben haben, ist das kein Grund, gedanklich gleich aus dem zweiten Platz den vorletzten zu machen (und ihn deshalb nicht mehr zu erwähnen). Prinzip verstanden?

Vorsicht Muster-Lebensläufe – So nicht!

Bedauerlich finde ich, dass es im Internet haufenweise Dokumente zum Herunterladen gibt, die dem Bewerber durch die Verwendung des Titels „Lebenslauf-Muster“ vorgaukeln, sie seien tatsächlich auch ein „Muster“ in qualitativer Hinsicht. Auch wenn manche eine ganz brauchbare Formatierung aufweisen, sind die meisten von ihnen inhaltlich nicht als Vorlage zu empfehlen, da sie genau an dem anfangs beschriebenen Irrtum kranken. Sie können solche Dokumente trotzdem als Basis für Ihre Version verwenden, müssen dann aber dafür sorgen, dass Sie die darin implizierten Fehler bei der Darstellung Ihres persönlichen Profils nicht versehentlich mit übernehmen. Das ist sehr wichtig, wenn Sie am Ende über einen Lebenslauf verfügen möchten, der auch für Sie wirbt.

Fazit

Das Fazit zu diesem Thema lautet damit:

In meinem Lebenslauf werde ich durchweg die nutzbaren Ergebnisse (Erfolge) meiner Tätigkeiten für alle bisherigen Arbeitgeber etc. kurz und klar herausstellen.

Das gelingt Ihnen am besten, wenn Sie Ihre früheren Tätigkeiten gründlich mit einem konsequent positiven Blick auf deren Resultate analysieren:

Wer zum Beispiel mit seiner Leistung nur zum besseren Mittelfeld unter seinen Kollegen gehörte, kann immer noch von sich sagen, er habe überdurchschnittliche Erfolge erzielt. War jemand zwar 3 x aber zufällig immer im Urlaub krank und hat sich nicht getraut, die Tage später beim Arbeitgeber geltend zu machen, darf mit gutem Gewissen auf 0 Tage Fehlzeiten durch Krankheit verweisen. Hat jemand regelmäßig Überstunden machen müssen, zu denen er rein juristisch nicht hätte gezwungen werden können, spricht nichts dagegen, in diesem Fall auf das freiwillige Zusatzengagement von 27% der Regelarbeitszeit während der Hauptsaison zu verweisen. Das gilt auch, wenn er die Stunden später wieder abbummeln durfte. Ist jemand bei einem Arbeitgeber in einer Branche mit hoher Fluktuation wegen allgemein ungünstiger Arbeitsbedingungen einfach nur lange angestellt gewesen, sollte er das ruhig mit einem Verweis auf die lange Betriebszugehörigkeit (dreifacher Branchendurchschnitt) erwähnen.

Mit den oben genannten Beispielen möchte ich in erster Linie die von mir vorgeschlagene prinzipielle Sicht- und Herangehensweise demonstrieren. Wie man es im Einzelfall tatsächlich texten sollte, hängt natürlich sehr von den konkreten Umständen ab.

Die Verwendung von möglichst „krummen“ und mit Ziffern geschriebenen Zahlen (zum Beispiel: 43%) ist übrigens ausgesprochen wirksam und die Werte dürfen auch frei geschätzt werden. Sie müssen lediglich im Bewerbungsgespräch nachvollziehbar erklären können, wie Sie darauf gekommen sind. Das Motto lautet also: Begründen, nicht Beweisen! Kein Mensch kann und wird von Ihnen verlangen, für jedes Ihrer Worte einen gerichtsfesten Beweis zu erbringen. Und dass sich solche Details auch nicht in den üblichen offiziellen Dokumenten wie beispielsweise Arbeitszeugnissen oder Zertifikaten befinden können, ist ebenso klar. Es fragt übrigens tatsächlich viel seltener jemand nach, als Sie es sich jetzt vielleicht vorstellen.

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