Kennen Sie das wirkliche Ziel Ihres Lebenslaufes

Das einzige Ziel Ihres Lebenslaufes: ein Vorstellungsgespräch!

Die folgende Frage stellen sich viele Bewerber leider überhaupt nicht. Wofür schreibt man eigentlich einen Lebenslauf? OK, selbstverständlich schon dafür, dass sich die Person, die später die Interviews führt, einen gewissen Eindruck vom bisherigen Werdegang des Bewerbers verschaffen kann. Aber was ist dabei das Ziel des Bewerbers, also IHR Ziel?

Ihr einziges Ziel muss (und darf nur) sein, zum Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden. Ich stoße leider ständig auf die anscheinend weit verbreitete, meist unbewusste Fehlannahme, dass der Lebenslauf dazu da wäre, dem Bewerber eine neue Stelle zu verschaffen. Das kann ein Lebenslauf nicht! Wer darauf hofft, wird mit hoher Sicherheit seinen Lebenslauf mit zwar an sich guten, für die erste Phase jedoch eher irrelevaten Details ausstatten und somit weniger Anlässe für die spätere Vertiefung im Vorstellungsgespräch schaffen. Und ohne dieses Gespräch gibt es dann auch die Stelle nicht.

Doch wie wirken sich die beiden unterschiedlichen Zielstellungen bei den Formulierungen im Lebenslauf konkret aus? Hier zuerst ein negatives Beispiel und danach eine positive Alternative dazu:

Bildungsweg
10/2004 – 09/2007 Studium an der Universität Berlin
Abschluss als B.Sc. in Business Administration
Außerdem wurde meine deutsche Berufserfahrung von einem universitären Gutachter in den USA im Jahr 2011 als einem MBA-Abschluss gleichwertig eingeschätzt.

Natürlich ist es nicht schlimm, das so zu schreiben. Aber gerade aus der MBA-Anerkennung man kann mehr machen und so die Neugier der anderen Seite auf ein persönliches Gespräch mit dem Bewerber erhöhen. Und den langweiligen Eintrag zum Studium korrigieren wir gleich mit. Zum Beispiel so:

Ausbildungen und Abschlüsse
03/2011 MBA (Anerkennung), W. Albright College, Springfield (MA), USA
09/2007 B.Sc. in Business Administration, Universität Berlin, Germany
Erreichte Ergebnisse

  • erfolgreicher Abschluss innerhalb der Regelstudienzeit (6 Semester)
  • 22 Prüfungen abgelegt mit Notendurchschnitt im 1. Drittel
  • 3-monatiges Praktikum bei der Deutschen Bank
  • Bachelor-Arbeit zum Thema „Fehlerquoten bei BI-gestützten Retail-Entscheidungen“

Im ersten Fall wird vor allem der Bachelor-Abschluss des Bewerbers präsentiert. Im zweiten Fall steht der anerkannte MBA im Vordergrund (bei absolut gleichen Fakten). Und man fragt sich, was denn das für ein College sein könne und wie er zu dieser Anerkennung gekommen ist. Tja, um das herauszufinden, muss man ihn wohl mit einladen. 🙂

Halten wir also fest:

Mit meinem Lebenslauf will ich meine Chancen für ein Vorstellungsgespräch maximieren. Ich werde in ihm deshalb bewusst nicht alle denkbaren Fragen beantworten. Mein Ziel ist es, den Adressaten richtig neugierig auf weitere Informationen zu mir und meinem bisherigen Werdegang zu machen.

Nicht mehr! Aber das ist für den ersten Schritt schon sehr viel und sehr wichtig, weil es ohne ein Vorstellungsgespräch wahrscheinlich keinen zweiten Schritt mehr geben wird. Haben Sie Ihren Lebenslauf schon oft verschickt und keine positiven Rückmeldungen oder Einladungen zu Gesprächen erhalten? Dann empfehle ich Ihnen unbedingt, Ihren Lebenslauf jetzt einer Tiefenprüfung zu unterziehen.

Am Ende sollten alle Ihre Aktivitäten und damit auch Ihre Bewerbungsunterlagen Ihre berufliche Vergangenheit in einer Form präsentieren sollten, aus der sich als einzige logische Konsequenz für die Zukunft die Aufnahme einer Tätigkeit in genau der Stelle ergibt, auf die Sie sich bewerben. Je näher Sie diesem Ideal bei der Gestaltung Ihres Lebenslaufes etc. kommen, desto höher sind Ihre Chancen auf den späteren Erhalt der gewünschten Stelle.

Positiver Nebeneffekt für das Job-Interview

Diese Ausrichtung hat noch einen anderen Vorteil. Man kann damit nämlich ganz gut Einfluss auf die späteren Themen im Bewerbungsgespräch nehmen. Haben Sie vielleicht ein paar Schwachstellen, über die Sie im Gespräch lieber nicht reden möchten? Dann machen Sie den Einstellungsmanager im Lebenslauf auf Aspekte neugierig, bei deren näherer Betrachtung im Gespräch Sie garantiert als der Überflieger dastehen werden. Und für die anderen Punkte reicht dann die Zeit „leider“ nicht.

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