Die beste Jobsuche: Seien Sie effektiv – nicht fleißig!

Tipps für die Stellensuche mit Kopf

Auf den nächsten Seiten wird es gleich um die optimale Gestaltung Ihres Bewerbungsprozesses gehen. Die beste Grundlage dafür schaffen Sie mit einer richtigen Herangehensweise bei der vorgelagerten Suche nach offenen Stellen bzw. potentiellen Arbeitgebern. Die wichtigsten Ratschläge hierzu habe ich auf dieser Seite zusammengestellt. Sollte das Thema für Sie zwar prinzipiell, jedoch nicht aktuell von Interesse sein, empfehle ich Ihnen, diese Seite trotzdem jetzt zu lesen. Sie werden danach sofort verstehen, warum.

> Lebenslange Stellensuche

Keine Angst, ich werde Ihnen hier nicht mit Langzeitarbeitslosigkeit drohen. Ich habe die Überschrift vielmehr an den oft zitierten Begriff des „lebenslangen Lernens“ angelehnt. Damit meine ich nicht nur, dass Ihre Jobsuche viel einfacher wird, wenn Sie sich rechtzeitig darauf vorbereiten. Es ist nämlich noch empfehlenswerter, wenn Sie das Thema auch nach dem Wechsel in eine neue Position weiterhin etwas im Auge behalten. Das erlaubt Ihnen beispielsweise ohne Stress eine Weiterbildung zu besuchen, die Ihre Chancen auf den gewünschten nächsten Karriereschritt erhöht.

Zu diesem Zweck lohnt es sich eventuell auch, mit früheren Kollegen in Verbindung zu bleiben, zu wissen, wer aus welchen Gründen von welchen früheren Firmen zu welchen neuen Arbeitgebern wechselt und idealerweise auch, wie die neuen Gehälter aussehen. Wer hat sich in der Branche womit erfolgreich selbständig gemacht? Wer hat sich mit seinen Entscheidungen warum verzettelt? Wie ist die internationale Entwicklung? Was läuft im Konzern? Wie geht es anderen Mittelständlern in der Region?

Diese Beispiele sollen hier nur zur Verdeutlichung des Prinzips dienen. Die für Sie persönlich relevanten Fragen werden Sie sicherlich schon kennen. Wichtig ist, dass Sie mit der Recherche der Antworten darauf nicht erst in der letzten Minute beginnen.

Auch wenn ich mich beruflich vorläufig nicht verändern möchte, werde ich alle passenden Gelegenheiten zur Vorbereitung meiner nächsten Stellensuche nutzen.

> Raus aus der Masse

Dieses Motto sollte Sie bereits während Ihrer Suche und nicht erst beim Bewerben leiten. Je mehr Sie mit dem Strom schwimmen, desto mühsamer ist es in der Regel, sich in der Masse dann noch als der Kandidat der Wahl bemerkbar zu machen.

Entsprechend gründlich sollten Sie also alle Anzeigen prüfen, die gleichzeitig eine hohe Anzahl anderer Interessenten erreichen. Dazu gehören auch große Stellenanzeigen in Tageszeitungen, insbesondere wenn darin „erstaunlicherweise“ recht normale Positionen ausgeschrieben werden. Selbst wenn es die Position tatsächlich in der beschriebenen Form geben sollte (und in nicht wenigen Fällen spricht einiges dagegen), können Sie erahnen, gegen wie viele Mitbewerber Sie wahrscheinlich antreten. Am Ende geht dann die Stelle schnell an jemanden, der sich noch nicht einmal auf die Anzeige beworben hat. Seien Sie selbst also besser dieser andere (siehe nächstes Beispiel).

Bevor Sie bei Ihrer Stellensuche also zu üblichen aber „unpersönlichen“ Werkzeugen als letztes Ressort greifen, sollten Sie die vielen Möglichkeiten einer mehr oder weniger direkten und persönlichen Kontaktaufnahme ausgereizt haben. In der Regel sind dazu mehrere Schritte nötig, bis man an der richtigen Stelle gelandet ist. Die kleine Mühe lohnt sich aber, denn der direkte Kontakt ermöglicht es Ihnen u.a. – kaum merklich für die andere Seite – die Vergleichbarkeit Ihres Profils mit dem anderer Kandidaten enorm zu reduzieren (= alte Vertriebsregel). Das macht es viel einfacher, Ihre Stärken zu präsentieren und Ihre Schwächen elegant zu verstecken, als es Ihnen beispielsweise bei einer normalen Bewerbung über das Internet möglich ist.

Hatte nicht mal ein Bekannter im Fitness-Club etwas von einer interessanten Stelle in einer Nachbarabteilung erzählt? Arbeitet nicht der Mann der Kegelfreundin Ihrer Mutter beim Technologieführer Ihrer Branche? Und murmelte nicht in der letzten Besprechung der Vertriebler, dessen tolles Produkt am Ende leider „eine Nummer zu groß“ für Ihren aktuellen Arbeitgeber war, etwas von zwei offenen Stellen im Controlling?
Ich sehe auch keinen Grund, warum Sie sich nicht freundlich an einen Unbekannten wenden können sollten, dessen XING-Profil ihn als besonders gut passenden Ansprechpartner ausweist. Das kann auch ein einfacher oder früherer Mitarbeiter sein, bzw. ist das in vielen Fällen sogar die bessere Variante für den Erstkontakt. Viele Menschen sind in einer solchen Situation gerne hilfsbereit und außerdem gibt es mehr und mehr Firmen, die ihren Mitarbeitern attraktive Boni für erfolgreiche Personalvermittlung aus dem Bekanntenkreis zahlen.

Je enger und exklusiver am Ende Ihr Kontakt zur den tatsächlichen Entscheidern über die Vergabe offener Stellen ist, desto höher sind Ihre Chancen auf eine Zusage und gute Konditionen. Wichtig ist dabei das Wort „tatsächlich“. Denn es kann sein, dass zwar offiziell der Abteilungsleiter über eine Einstellung entscheidet, dieser die eigentliche Auswahl jedoch in die Hände eines Mitarbeiters gelegt hat. In einem solchen Fall müssen Sie diesen Mitarbeiter natürlich zuerst überzeugen.

Um meine Chancen auf eine neue tolle Stelle bei minimalem Aufwand zu erhöhen, werde ich bei meiner Jobsuche typische Wettbewerbssituationen so gut wie möglich vermeiden und lieber kreativere Kommunikationskanäle wählen.

> Arbeiten Sie wirtschaftlich

Investieren Sie Zeit und Geld bei Ihrer Jobsuche sinnvoll. Sie brauchen am Ende nur eine tolle Zusage. Jedes weitere Angebot mag zwar schmeichelhaft sein, war aber tatsächlich verschwendete Zeit. Ein Punktlandung ist natürlich kaum möglich; das Prinzip der Wirtschaftlichkeit sollten Sie aber immer vor Augen haben. Sonst besteht zusätzlich noch die Gefahr, dass durch die Verschwendung Ihrer Ressourcen in reiner Masse die Qualität der ausgewählten Stellenangebote und die Ihrer Bewerbungen sinkt.

Immer wieder höre ich, dass jemand »schon mehr als 100 Bewerbungen« verschickt hat und sich bitter über die geringe Resonanz beklagt. Bei dem das der Fall ist, der hat in der Regel gleich mehrere Fehler gemacht. Bei dieser Arbeitsweise geht der Aufwand logischerweise vor allem in die Quantität und nicht in die Qualität der Bewerbungen. Und wer will schon so einen Bewerber? Aber angenommen, die Qualität würde sogar stimmen. Dann wäre es immer noch ein Fehler, nach den ersten 20 Misserfolgen nicht innezuhalten und die bisherigen Annahmen zu überarbeiten.

Bei meiner Jobsuche werde ich nicht fleißig sein, sondern vor allem auf den effizienten Einsatz meiner Ressourcen und effektive Ergebnisse achten.

> Lassen Sie sich finden

Je nach Branche und Art der gesuchten Position unterscheidet sich das jeweils optimale Vorgehen bei der Suche teilweise erheblich voneinander. Doch ganz unabhängig davon ist die beste Variante immer noch die, vom zukünftigen Arbeitgeber oder beauftragten Vertretern (Headhuntern, Agenturen usw.) angesprochen zu werden. Das ist nicht nur die angenehmste sondern auch die wirtschaftlichste Art und Weise, zu einer neuen Stelle zu kommen. Weiterhin schafft sie besonders gute Voraussetzungen für spätere Gehaltsverhandlungen. Selbstverständlich sollte man trotzdem noch selber aktiv werden. Man kann den Aufwand dafür aber minimieren, indem man alles dafür tut, dass man von den richtigen Interessenten auch gefunden werden kann. Heutzutage findet das fast ausschließlich im Internet statt.

Für die meisten Berufe ist ein aussagekräftiges XING-Profil ein absolutes Muss. Spielen internationale Aspekte eine Rolle, gilt dies ebenso für LinkedIn. Neben breit aufgestellten Karriereportalen wie StepStone, Monster u.ä. gibt es je nach Branche auch Spezialangebote. So ist GULP eine ausgezeichnete Variante für Arbeitssuchende mit IT- oder anderen technischen Berufen, das eigene Erfahrungsprofil schnell und einfach bekannt zu machen.
Mit professionellen Arbeitsvermittlungsagenturen wie beispielsweise HAYS habe ich ebenso sehr gute Erfahrungen gemacht. Was Sie bei der Zusammenarbeit mit solchen Agenturen beachten sollten, hören Sie sich am besten in meinem Podcast Nr. 5 im Interview mit dem Personalberater Jan Melich von der IT-Agentur Computer Futures an.
Im Einzelfall mag darüber hinaus eine eigene Website zum beruflichen Profil oder ein Blog zum eigenen fachlichen Spezialthema die Mühe Wert sein. Deren technische Basis sollte unbedingt auf einem aktuellen Stand sein, damit die Inhalte durch Suchmaschinen gut gefunden werden können. Alle genannten Varianten haben übrigens den Vorteil, dass man dort erheblich mehr Inhalte zur eigenen Person als im Lebenslauf präsentieren kann.

In diesem Zusammenhang ist übrigens die Verwendung passender Schlagwörter ein wichtiger Faktor für den Erfolg. Eine grundsätzliche Anleitung zu deren Ermittlung finden Sie auf der Seite Jobbörsen: Tipps für mehr Treffer und bessere Ergebnisse am Beispiel von stellenanzeigen.de. Die dabei erfolgreich getesteten Suchbegriffe sollten Sie danach als Schlagwörter auch in Ihre Online-Profile und Ihren Lebenslauf aufnehmen.

Bevor ich selber aktiv Ausschau nach offenen Positionen halte, werde ich es zuerst meiner Zielgruppe einfach machen, bei ihrer Suche nach geeigneten Kandidaten sofort auf mein Profil zu stoßen.

> Bleiben Sie auf dem Boden Ihrer Träume

Damit möchte ich Ihnen Folgendes ans Herz legen. Ich bin schon der Meinung, dass Sie immer versuchen sollten, Ihren Traumjob zu bekommen. Kompromisse haben selbstverständlich auch im Berufsleben ihren sinnvollen Platz. Es gibt aber keinen Grund, weshalb Sie gleich Ihre Ansprüche nach unten korrigieren sollen, wenn es mal schwierig wird. Mit Kreativität können Sie nämlich eine Menge Herausforderungen aus dem Weg räumen. Gleichzeitig sollten Ihre Ziele insbesondere für die aktuelle Stellensuche auch realistisch sein. Wenn Ihnen selber schon keine gute Gründe einfallen, weshalb man Sie für eine bestimmte Position in Erwägung ziehen könnte (Ich rede an dieser Stelle nicht darüber, wie Sie das auch vermitteln können. Das ist etwas anderes.) , dann müssen Sie wohl erst einmal einen beruflichen Zwischenschritt machen.

Bei meiner Jobsuche werde ich eine klare Vorstellung von meinem Traumjob haben. Dieses Ziel wird realistisch sein. Deshalb werde ich nicht gleich aufgeben, wenn es mal schwierig wird.

Buchtipp: „Job Hunting for Dummies“

Zum Thema Arbeitssuche gibt es natürlich viel Literatur und ich habe selbstverständlich nur ein Bruchteil davon gesehen. Die meisten Ratgeber allerdings, die ich bis jetzt in die Hände bekommen habe, finde ich eher enttäuschend. Sie kranken alle an demselben Problem, nämlich daran, dass sie keine oder zu wenige Antworten auf die tatsächlichen Herausforderungen bieten, denen sich Arbeitssuchende im wahren Leben ausgesetzt sehen.

Aber es gibt eine hervorragende Ausnahme und die ist – wenngleich auch schon etwas älter – „Job Hunting for Dummies“! Dieses Buch gehört in die Hände eines jeden Bewerbers, der es mit seiner Stellensuche ernst meint. Das Buch gibt es meines Wissens nur auf Englisch (Achtung: bitte nicht mit „Jobsuche online für Dummies“ verwechseln!). Wer es liest, wird schnell verstehen, warum sich die Deutschen nicht an eine Übersetzung herangetraut haben. Zum einen ist das sehr bedauerlich, denn auch wenn die Beispiele darin natürlich vorrangig für die Situation in den USA geschrieben wurden, gelten die genannten Prinzipen genauso in Europa. Doch Sie persönlich können davon profitieren, denn so verharrt das qualitative Durchschnittsniveau der Bewerbungsaktivitäten in Deutschland weiter auf einem niedrigen Stand. 😉

PS: Liegt’s nur am Geld?

Hin und wieder höre von Fällen der folgenden Art, die ich bedauerlich finde. Jemand entscheidet sich, eine ansonsten sehr zufriedenstellende Position aus finanziellen Gründen aufzugeben, und nimmt deshalb ein lukrativeres Angebot eines neuen Arbeitgebers an. Bei der Abgabe seiner Kündiung im alten Unternehmen erfährt er von seinem Chef, dass dieser ihn nicht nur gerne gehalten, sondern auch sehr wohl einer deutlichen Gehaltsaufstockung zugestimmt hätte. Doch die meisten Mitarbeiter scheuen dann den Versuch, das mit der neuen Firma bereits Vereinbarte wieder rückgängig zu machen. Und wenn sich die neue Position später als längst nicht so befriedigend wie die alte herausstellt, dann zahlen sie für die das höhere Gehalt tatsächlich laufend einen hohen Preis.

Sollte der Ausgangspunkt in Ihrem Fall zufällig ähnlich und Ihre Arbeitssuche in erster Linie finanziell motiviert sein, dann geben Sie Ihrem aktuellen Arbeitgeber doch wenigstens eine Chance. Das können Sie ganz einfach machen, indem Sie ihn freundlich aber ganz offen über Ihre Unzufriedenheit bezüglich Ihres Gehalts informieren. Wie Sie dabei konkret argumentieren sollten, finden Sie auf den Seiten zur Gehaltsverhandlung. Sie müssen dabei die „drohende“ Alternative eines Stellenwechsels gar nicht ansprechen. Wenn Ihr Chef wirklich an Ihrem Verbleib interessiert ist, wird ihm diese „Gefahr“ garantiert auch selber in den Sinn kommen.

Sollte ich eigentlich nur mit meinem Gehalt unzufrieden sein, werde ich vor einer beruflichen Neuorientierung zuerst meinem Arbeitgeber die Chance geben, dies in meinem Sinne zu regeln.

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