2. Lenken Sie den Blick mit Ihrem Bewerbungsschreiben

Ihr Anschreiben als Lotse für den Leser

Auch wenn das Bewerbungsschreiben in den letzten zehn Jahren eher an Bedeutung verloren hat, wird es dennoch erwartet und ist darüber hinaus ein ausgezeichnetes Mittel, die Brücke zwischen Ihrem Lebenslauf und der konkreten Position zu schlagen, auf die Sie sich bewerben. In den meisten Fällen ist es auch zu aufwändig, Ihren Lebenslauf immer perfekt an die einzelne ausgeschriebene Position bzw. das Unternehmen dahinter anzupassen. Das muss auch gar nicht sein, wenn a) Ihr Lebenslauf gut konzipiert und getextet ist, und b) Sie dem Leser mit Ihrem Anschreiben eine Leitlinie an die Hand geben, wie er Ihren Lebenslauf lesen und verstehen sollte.

Damit bringt es also nichts, Ihr Anschreiben mit leeren Worthülsen zu füllen, bei denen der konkrete Bezug zur ausgeschriebenen Stelle fehlt bzw. für die sich keine Belege im Lebenslauf finden lassen. Erstaunlicherweise passiert das gerade den Leuten nicht selten, die beim Schreiben ihres Lebenslaufes voller Angst sind, dieser könne am Ende zu aufschneiderisch ausfallen. Vertreter dieser Gruppe lassen im Lebenslauf ihre Erfolge mehr oder weniger vollständig weg und beschränken sich auf langweilige Aufzählungen früherer Tätigkeiten. Und dann sind sie sich aber nicht zu schade, das begleitende Anschreiben mit unglücklichen, da unbelegten Behauptungen wie beispielsweise diesen hier zu versehen:

»Mit großem Interesse habe ich Ihre Anzeige für die offene Position einer Sekretärin gelesen. Gerne möchte ich mich hiermit darauf bewerben. Ich bin kommunikationsfreudig, motiviert und verfüge über Organisationstalent. In meinen bisherigen Arbeitsverhältnissen habe ich meine Aufgaben stets zuverlässig erfüllt. Teamgeist ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Mir liegt aber auch das selbständige Arbeiten. Meine Arbeitsergebnisse wurden deshalb von meinen Vorgesetzten und Kollegen immer geschätzt.«

Ich staune immer wieder, dass Leute nach so einem Bewerbungsschreiben überhaupt noch zum Interview eingeladen werden, und kann es mir nur dadurch erklären, dass die deutschen Unternehmen eben Unfug dieser Art gewöhnt sind und ansonsten vor allem auf die Bewertung des Lebenslaufes setzen.

Viel besser wäre etwas wie im folgenden Beispiel:

»Als regelmäßige Leserin der Fachzeitschrift „Bürotrends“ hat mich Ihre Stellenausschreibung in der Ausgabe 05/2016 für die Stelle einer Chef-Sekretärin im Bereich Materialbeschaffung besonders angesprochen. Durch meine aktuelle Position als Assistentin der Geschäftsleitung der Fa. SpeziPress bin ich bereits seit mehr als 3 Jahren mit den typischen Anforderungen an die Sekretariatsarbeit für höhere Leitungsebenen und dem Materialeinkauf vertraut. Ich schätze meinen derzeitigen Arbeitgeber sehr; da es sich aber um ein mittelständisches Unternehmen handelt, sind für mich weitere Entwicklungsmöglichkeiten dort kaum noch vorhanden. Die von Ihnen ausgeschriebene Stelle wäre für mich deshalb ein idealer nächster Schritt. Er würde mir ermöglichen, mein über 7 Jahre entwickeltes Netzwerk an Lieferantenkontakten weiter zur erfolgreichen Unterstützung meines Vorgesetzten zu nutzen und gleichzeitig mehr internationale Arbeitserfahrung zu gewinnen.«

Wesentliche Inhalte

Idealerweise erzählt Ihr Anschreiben also eine kurze Geschichte, durch die der Adressat Folgendes von Ihnen erfährt:

  • Dass Sie sein Unternehmen bereits (etwas) kennen.
  • Dass Sie die offene Position und deren Aufgaben verstehen.
  • Warum Ihr bisheriger Werdegang dafür eine hervorragende Grundlage darstellt (Beleg Ihrer fachlichen Eignung).
  • In welcher Form Sie persönlich von der neuen Stelle profitieren werden (Beleg Ihrer Motivation).
  • Wie Sie deshalb schon bald maßgeblich zum Unternehmenserfolg beitragen werden.

Abhängig von den konkreten Umständen sind die ersten beiden Punkte unter Umständen nicht ganz so wichtig. Das gilt vor allem dann, wenn es sich um eine wenig branchenbezogene Tätigkeit (zum Beispiel die einer Rezeptionistin) handelt. Sind sie jedoch relevant und Sie haben noch keine ausreichenden Informationen darüber, sollten Sie diese beiden Aspekte zu diesem Zeitpunkt recherchieren und sich nicht erst im Vorstellungsgespräch durch Ihren Gesprächspartner „überraschen“ lassen.

Die letzten drei Aspekte sind dagegen immer von Bedeutung und sollten deshalb in allen Anschreiben enthalten sein. Genau diese beiden haben auch die Aufgabe, den Leser neugierig auf mehr (Ihren Lebenslauf und eventuelle Anlagen) zu machen und seinen Blick gleich auf die für ihn relevanten Höhepunkte darin zu lenken.

Wenn Sie noch genug Platz haben, können Sie darüber hinaus mit einer guten Frage enden, die dem Adressaten den Ausblick auf ein interessantes Vorstellungsgespräch mit Ihnen gibt. Eine solche Frage muss dann aber auch wirklich gut sein, sonst laufen Sie Gefahr, mit ihr eher mangelnde Kompetenz auszudrücken. So könnte eine überzeugende Variante aussehen:

»Über ein baldiges Vorstellungsgespräch würde ich mich sehr freuen. Das würde mir hoffentlich auch die Möglichkeit geben, Ihre Meinung zum Einsatz von Dokumenten-Management-Systemen (DMS) für die kostengünstigere Belegverarbeitung zu hören. Meiner Beobachtung nach scheinen sich diese in unserer Branche immer mehr durchzusetzen.«

Länge

Die oben erwähnten Ziele sollten in Ihrem Bewerbungsschreiben kurz und möglichst prägnant auf den Punkt gebracht werden und deshalb dessen Umfang auf normalerweise eine Seite beschränken. Denn auch ein noch so gutes Anschreiben kann die Notwendigkeit eines guten Lebenslaufes nicht ersetzen und je länger es wird, desto weniger kommen die einzelnen Argumente darin zur Geltung. Ansonsten gilt natürlich auch hier, dass Ihr Anschreiben nicht alle Fragen beantworten muss, sondern den Adressaten vor allem neugierig auf ein persönliches Gespräch mit Ihnen machen sollte.

Buchtipp

Meine Buchempfehlung zu diesem Thema ist „Job Hunting for Dummies“, wozu ich mich bereits auf der Seite zur Jobsuche näher geäußert habe.

Fazit

Zusammenfassend lautet mein wichtigster Tipp in Sachen Bewerbungsschreiben:

Mit meinem Bewerbungsschreiben stelle ich die Verbindung zwischen meinem Lebenslauf und einer konkreten Position her. Damit werde ich dem Adressaten vermitteln, warum ich über die beste Eignung verfüge und wie ich schon bald zum Erfolg des einstellenden Unternehmens beitragen kann.

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